Seit 1999 umgibt sich Nicolai Thärichen mit der Creme der jungen Berliner Jazz-Szene (Berliner Tagesspiegel), zwei Jahre später gelang ihm mit seinem Debüt-Album Lady Moon ein großer Wurf. Dieser Erstling von Thärichens Tentett wurde schon bald als Gedicht (Jazzthing), die umwerfendste Jazzplatte aus Deutschland in diesem Jahr (Die Welt) oder Inbegriff für Jazz des 21. Jahrhunderts (jazzlabel) gelobt. www.thaerichens-tentett.de
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6.11.2003, Peter KemperThärichens Tentett hat ebenfalls mit Literatur zu tun, vertont Nicolai Thärichen doch gerne Gedichte von Dorothy Parker, Lord Byron oder dem dichtenden britischen Psychiater Ronald D. Laing. Das Ergebnis ist das kompositorisch Gelungenste, arrangementtechnisch Ausgefeilteste und in der Präsentation Humorvollste, was derzeit in Deutschland von einer größeren Besetzung kommt. Nicht zuletzt, weil mit Michael Schiefel der talentierteste unter den raren hiesigen Jazzsängern der Band seine Stimme gibt. Der mitreißende Auftritt am letzten Vormittag war der große Publikums-Abräumer und wäre ein würdiger Schluss gewesen.
Zum heimlichen Höhepunkt des diesjährigen Elmauer Jazztivals avancierte eine zehnköpfige Band aus Berlin: Thärichens Tentett verbindet alle Tugenden einer Big-Band-Brillanz mit der Flexibilität eines kleinen Kollektivs. Der zehnte Mann im Bunde ist zugleich der originellste. Michael Schiefel verfügt als Sänger über die Artikulationsfähigkeit einer hellen Frauenstimme und den rauchigen Farbgebungen der großen Crooner Frank Sinatra und Dean Martin. Einen solchen Jazzsänger hat Deutschland vielleicht noch nie gehabt. Der umjubelte Auftritt des Thärichens Tentetts ließ die Hoffnung keimen, daß nach all den modisch-multikulturellen Grenzgängen der letzten Jahre jetzt das Interesse am puren Jazz zurückkehrt. Sein Ästhetisches Provokationspotential ist jedenfalls noch längst nicht ausgereizt.